Next Gen Gaming: Der Konsolenkrieg geht in die nächste Runde

Im November läuten Sony und Microsoft den Start einer neuen Ära ein. Mit Veröffentlichung der aktuellsten Devices beginnt die 9. Generation der Heimvideospielkonsolen. Eine spannende Phase für die gesamte Industrie, der Gamer, Publisher wie Händler entgegenfiebern. Denn frische Hardware bedeutet Hype, bedeutet neue Spiele, bedeutet Verkäufe.

Altersunterschied

Im Gegensatz zum Gaming PC der sich über Jahre stetig modular aufrüsten und weiterentwickeln lässt, sitzen Konsolen traditionell in ihrer Haut gefangen. What you see, is what you get. Starten sie zu Beginn einer Generation mit relativ starker Hardware, ist diese gegen Ende des Lebenszyklus längst überholt. Playstation 4 und Xbox One sind mittlerweile sieben Jahre alt, also wahre Tech-Dinos.

Im Abstand von nur wenigen Tagen erscheinen nun im November 2020 die langersehnten Next Gen Konsolen Playstation 5 und Xbox Series X. Der Zeitraum ist nicht zufällig gewählt, denn im wichtigen Weihnachtsgeschäft fährt die Branche einen Löwenanteil ihres Jahresumsatzes ein. Nicht nur wegen COVID-19 verläuft der Launch der Konsolen diesmal aber etwas anders.

Doppelt oder Nichts

Sony wie Microsoft setzen 2020 erstmals auf eine duale Launch Strategie, indem sie jeweils zwei Iterationen der neuen Konsolen ins Rennen schicken. Die Playstation 5 gibt es um 500€ mit Blu-ray-Laufwerk und in einer Digital Edition ohne Laufwerk um 400€. Bei der Konkurrenz wird es etwas komplizierter. Die Xbox Series X kostet 500€, die Xbox Series S nur 300€. Kampfpreis! Während die beiden Playstations quasi ident sind, ist die Series X deutlich performanter als ihre laufwerklose Schwesternkonsole.

Beide Plattformhersteller bieten ihren Kunden damit erstmals die ungewohnte Qual der Wahl, wie man sie aus der Welt der Smartphones kennt. Fragende Elterngesichter, Fehlkäufe und Retouren an stressigen Adventwochenenden wären garantiert vorprogrammiert, gäbe es nicht ein viel größeres Problem, mit dem sich der Handel herumzuschlagen hat.

Die Konsolen sind schon jetzt überall ausverkauft. Coronabedingt erlebten PS4 und Xbox One einen zweiten Frühling, das Interesse an Videospielen war in der Zeit des Lockdowns ungewöhnlich hoch. Leider werden aus demselben Grund Produktions- und Lieferengpässe erwartet. Aus strategischen Gründen boten Microsoft und Sony Kunden die Möglichkeit zur Vorbestellung, was selbstverständlich in stundenlangem Chaos und überlasteten Webseiten mündete.

Momentan schauen Gamer und der Handel durch die Finger, denn bisher kann niemand mit Sicherheit sagen, ob oder wann die Geräte in den Geschäften zum Verkauf angeboten werden. Media Markt und Saturn stornieren bereits bestellte Konsolen, Amazon bereitet Käufer auf große Verschiebungen der Liefertermine vor.

Kampf auf Augenhöhe?

Wo Nintendo da bleibt, fragen sich bestimmt Einige. Die Antwort ist, dass Nintendo einfach nicht mitmacht beim Wettrüsten, sondern eine ganz eigene, immens erfolgreiche Strategie fährt, die nicht auf Framerates und Auflösungen basiert. Beim Konsolenkrieg handelt es sich also um ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Playstation und Xbox, das schon an der Startlinie entschieden werden kann. 

Microsoft musste das in der 8. Generation schmerzhaft lernen. Eine durch und durch vergeigte Kommunikation während des Launch 2013 wurde der Xbox One zum Verhängnis. Anstelle von Gaming setzte man auf Entertainment, viel zu striktes DRM schränkte die Rechte von Spielern ein und CEO Don Mattrick bekleckerte sich ebenfalls nicht mit Ruhm, ehe er den Hut nehmen musste.

Fans suchten das Weite und nach Europa eroberte Sony rasch den ehemaligen Xbox-Markt, die USA. Das Ergebnis nach 7 Jahren: Sony verkaufte bisher über 110 Millionen Playstations 4, Microsoft geschätzte 50 Millionen Xbox Ones. Zum Vergleich: PS3 und Xbox 360 gingen davor fast gleich oft über die Ladentische.

Next Gen bedeutet für Sony also die Chance, die Marktdominanz weiter auszubauen und für Microsoft bietet sich eine einmalige Gelegenheit, die Wende für die eigene Konsolenbrand zu erzwingen.

Zurück zum Zeichenbrett

Im Gegensatz zu früheren Generationenwechseln setzt man diesmal übrigens nicht mehr auf die große Grafikrevolution. Es wirkt, als gäbe es keinen echten USP, außer dem Versprechen, dass 4K und 60FPS zum Standard würden und der Umstieg auf SSD-Festplatten Ladezeiten de facto eliminiert. Beide Konsolen werden in etwa gleichstark sein, wie immer schon. Also wie möchte man Kunden von der Überlegenheit der eigenen Marke überzeugen?

Bei Sony sind es ganz klar die Blockbuster, die Gamer binden werden. Die Playstation 4 hat beeindruckend gezeigt, welches Zugpferd Triple-A Exklusivtitel sind. Uncharted 4, God of War, Spider Man, Horizon: Zero Dawn oder The Last of Us II gibt es nur hier und jedes davon ist so populär, dass es eigenhändig Leute zum Kauf einer Konsole bewegt. „Software moves Hardware“, so ein alter Spruch in der Industrie.

Microsoft hingegen setzt auf den langfristigen Service-Trend, welcher bereits seit einigen Jahren Früchte trägt. Exklusivtitel sind keine echten Systemseller auf Xbox One gewesen, der Xbox Game Pass hat sich hingegen als genialer Schachzug entpuppt und in kurzer Zeit 15 Millionen Spieler gebunden. Nachdem Gen Z bereits Sport, Musik und Filme über Abos konsumiert, hat man bei Xbox einfach weitergedacht und das Konzept auf die eigene Brand angewandt. Für wenige Euros im Monat erhält man mehr qualitative Games, als man in einem Leben überhaupt spielen könnte. „Bang for your buck“ lautet hier die Devise.

Über den Wolken

Schon seit über einem Jahrzehnt versucht man in der Spielewelt das Thema Streaming als mögliches Zukunftsmodell zu etablieren. Es geht dabei um die Vision, aufwendige Konsolentitel auf schwachen Devices spielbar zu machen. Fuß fassen konnte Cloud Gaming aber bisher noch nicht. Sony hatte zwar bereits 2012 in das Thema investiert und wurde zum Pionier in dem Segment, doch Playstation Now scheint im Unternehmen nur eine untergeordnete Rolle einzunehmen.

Den Vorsprung hat man mittlerweile aufgebraucht, Microsoft zog mit xcloud nach und dürfte mit der Next Gen zumindest gleichziehen, wenn nicht sogar die Konkurrenz überholen. Für Sony keine tödliche, aber schmerzhafte Kombination mit dem an Traktion gewinnenden Game Pass.

Ob Cloud Gaming sich aber tatsächlich etablieren wird, oder nur eine Nische bleibt, wie das Thema Virtual Reality, wird die Zukunft zeigen. Fakt ist, dass Google, Nvidia, Amazon oder Magenta bereits in Cloud Services investieren und Microsoft so schnell wie möglich Boden gut machen möchte. Das Rennen ist eröffnet!

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